Materialwahl

Wenn die Lauflänge stimmt, stimmt die Passform

Was macht beim Handarbeiten eigentlich mehr Spaß: der handwerkliche Prozess, also das eigentliche Anfertigen eines schönen Modells, oder das Aussuchen der entsprechenden Vorlage und die Wahl des Materials? Bei dem einen mag dies, beim anderen das ein wenig überwiegen, beides zusammen ergibt schließlich die Faszination des Hobbys „Handarbeiten“.

Wer nach einer Modellanleitung strickt oder häkelt, der bekommt meist eine Materialempfehlung mit auf den Weg. Das ist einerseits praktisch, muss aber andererseits keineswegs streng befolgt werden. Ein Beispiel: Ein Pullover, den jemand wegen seines super Schnitts nachstricken möchte, wurde in Angorawolle gefertigt; soll aber in einem fusselfreien Material nachgestrickt werden. Das ist kein Problem. In jeder Anleitung wird unter der Abkürzung „LL“ die Lauflänge des Garns pro Knäuel genannt. „LL 100m/50 g“ bedeutet, dass ein 50 Gramm schweres Knäuel aus einem 100 Meter langen Faden besteht. Der Angorapullover kann also auch aus jedem anderen Garn mit dieser Lauflänge gestrickt werden und wird ebenso gut passen, als wäre er aus dem Originalmaterial gearbeitet worden. Die Lauflänge des alternativen Wunschgarns findet man auf der Banderole.

Nach der Materialwahl steht die Farbwahl an. Je größer die Auswahl an verführerischen Nuancen, desto schwerer fällt es, sich zu entscheiden. Wird der Pullover in Grün genauso schön wirken wie in dem abgebildeten Rot? Oder sollte man angesichts des komplizierten Musters und der damit verbundenen Arbeit vielleicht lieber eine neutrale Farbe wählen, die nicht so schnell aus der Mode kommt? Wie auch immer die Entscheidung ausfällt: Dieses Stadium des Wählens und Entscheidens ist sicher eines der schönsten im Entstehungsprozess einer Handarbeit.

So frei die Materialwahl bei den meisten Handarbeiten auch sein mag: In einigen Fällen ist sie doch eingeschränkt. Wer zum Beispiel Socken stricken möchte, der sollte sich auch tatsächlich an Sockengarn halten. Denn beileibe nicht alle Garne würden den Beanspruchungen, die durch das Körpergewicht und die Reibung im Schuh auf das Material zukommen, lange aushalten.